Rezensionen / Sendungen zu dem Buch
"Tastenfieber und Liebeslust" ein Roman
verm@ilt in Berlin
Anleitung zum Glücklichwerden für eigensinnige Menschen über 60

von Elke Mascha Blankenburg
erschienen im "Gmeiner-Verlag" 2011 (ISBN 978-3-8392-1210-3)

- Rundfunk -

Liebe in Romanen
WDR 5 LebensArt - Hörer im Gespräch
Moderation: Thomas Hackenberg | Sendedatum: 17. November 2011

Leserinnen und auch Leser lieben sie: Romane, in denen von Liebe, Enttäuschung, Betrug und viel Gefühl die Rede ist. Bis in unsere Zeit schreiben renommierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller über das schönste Gefühl der Welt. Schon zu Goethes Zeiten bewegten die "Leiden des jungen Werther" die Menschen zutiefst. Goethe und sein Werther gerieten damals heftig in die Kritik, weil der Werther angeblich die Selbstmordgefahr unter den jungen Leuten schürte. Romane wie "Jane Eyre", "Stolz und Vorurteil", "Rebecca", "Anna Karenina", "Eine Frage der Schuld" von Sofia Tolstaja oder "Lolita" von Nabukov faszinieren bis heute. LebensArt fragt die Hörerinnen und Hörer: Welche Liebesromane lesen Sie? Und was fasziniert Sie daran?
Liebesromane heute - zeitgemäß verpackt
Heute kommt das Thema Liebe im Roman in neuer und zeitgemäßer Verpackung in die Buchläden. Da Liebesromane schon immer auch Zeitgeschichte und Beziehungsleben einer bestimmten Epoche spiegelten, werden die Geschichten in moderner Ausstattung heute weitergeführt. So wird der Briefroman früherer Zeiten unter Einbeziehung der modernen Kommunikationmedien weitergeschrieben. E-Mail-Romane wie "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" von Daniel Glattauer oder Elke Mascha Blankenburgs "Tastenfieber und Liebeslust" thematisieren die moderne Kontaktaufnahme zwischen zwei Menschen und entwickeln so eine faszinierende Beziehungsgeschichte.

NDR-Kultur - "Tastenfieber und Liebeslust" in Hamburg
Autor/in: Becker, Anna | Sendedatum: 26.09.2011 17:20 Uhr

Liebe, Sex und Internet. Um diese Themen dreht sich der Roman der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg. Am Sonntag, den 25.09.2011, las sie daraus im Hamburger Literaturhaus. Anna Becker berichtet.




Die offizielle Berichterstattung auf NDR-Kultur.

WDR 5
"Selten hat es so viel Spaß gemacht, in fremder Post zu schnüffeln!"
Thomas Hackenberg

- Presse -

LESEN: ELKE MASCHA BLANKENBURG - TASTENFIEBER UND LIEBESLUST
Veröffentlicht am 12. Januar 2012 in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung

Sie ist Musikerin, Dirigentin - und nun liegt sie auch in den Buchhandlungen. Besser gesagt: ihr Debütroman "Tastenfieber und Liebeslust". Die Autorin Elke Mascha Blankenburg (68) hat ihrer Liebesgeschichte, die im Gmeiner-Verlag erscheint, ein besonderes Format gegeben. Sie erfindet einen Briefwechsel in E-Mails.
Max, von adeliger Herkunft, aber fast bettelarm, antwortet auf die Kontaktanzeige der Musikerin Eva, die neu in Berlin ist. Beide haben die 60 überschritten, entfalten aber schnell den Sturm und Drang der ersten Liebe. Die Künstlerin schreckt nur immer wieder zurück, wenn Max in derbe Verbalerotik verfällt. Blankenburg rudert im Vergleich zu Charlotte Roche (Feuchtgebiete) zurück und füttert vor allem das Klischee vom Sex-besessenen Mann. Eva ist von der Wortwahl angewidert und bricht mit Max - zunächst einmal.

Gerade, als die Alltagsprobleme eintönig zu werden drohen, gelingt Blankenburg der Kniff. Eva testet seine Liebe und schickt ihm E-Mails im Namen einer anderen. So bekommt die Lovestory der U70-Fraktion neuen Schwung. Das Paar überwindet den feinsinnigen bis haarspaltenden Geschlechter-Konflikt.

- Internet -

info-netz-musik
Rezensionen und Neuigkeiten aus dem Musikleben

Blankenburg, Elke Mascha: Tastenfieber und Liebeslust. Ein E-Mail-Roman.
- Meßkirch: Gmeiner, 2011. - 371 S.
ISBN 978-3-8392-1210-3 : € 11,90
(kart.; auch als e-book erhältl.)

Die 1943 geborene Autorin muss einem musikkundigen Publikum wohl nicht eigens vorgestellt werden, darum sollen hier nur wenige Eckdaten genügen: Dirigentin, Pianistin, Gründerin des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik (1978), Autorin (z.B. Dirigentinnen im 20. Jahrhundert, 2003), lebt seit 2007 in Berlin und legt hier ihren Debüt-Roman vor. (Alles übrigens auch nachzulesen auf ihrer ausführlich bis ausufernden Homepage http://www.mascha-blankenburg.de ). Der Gmeiner-Verlag hat sich auf Frauenliteratur spezialisiert und bietet laut Verlagswerbung "Frauenromane mit Stil, Witz und lokalem Flair - wunderbar weiblich" an.

Der Titel kommt recht reißerisch daher, und das Coverfoto mit dem schwarzen Spitzenhöschen (= "Liebeslust"?) auf der Klaviatur (= "Tastenfieber"?) verheißt Schlüpf(e)riges. Im Verlauf des Romans wird allerdings immer deutlicher, dass der Titel statt Tastenfieber doch wohl eher Betastungsfieber heißen müsste...

Mit musikalischen Inhalten hat der Roman also so gut wie nichts zu tun, außer dass die Protagonistin (Anfang 60) Musikerin ist und - frisch nach Berlin übergesiedelt - eine Kontaktanzeige im Berliner Tagesspiegel aufgibt, in der sie einen Mann sucht, der ihr die Stadt und mehr zeigt. Es entspinnt sich ein Mail-Briefwechsel, wie wir ihn schon aus Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen kennen, wobei der entscheidende Unterschied zu Glattauer darin besteht, dass sich das "vor-liegende" Paar (ihre bevorzugte Stellung) bereits nach einigen Tagen trifft, erst züchtig gassi-gehend mit Hund Claudio (so benannt in Verehrung für Claudio Arrau), sodann binnen 14 Tagen im Bett landend, aber eifrig weiter mailend zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Die Ähnlichkeit der Romanheldin Eva Maria (E.Ma.) mit der Autorin Elke Mascha (E.Ma.) drängt sich förmlich auf; da Lebenshintergrund und -umstände nahezu identisch sind. Der Roman lebt und bezieht seinen Witz aus den gegensätzlichen Charakteren des Paares. SIE: unkonventionell, Alt-68erin, in Künstlerkreisen beheimatet, bohème- und skandal-umwittert, ER: adelig, konservativ, feinsinnig, Schlipsträger und "Verbindungsschläger".

Beide befinden sich gerne miteinander im Bett und haben genussreichen Sex, ihr wirkliches Kennenlernen und die Auseinandersetzungen aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensentwürfe erfolgen jedoch in ihrem Mailwechsel, in dem es heftig zur Sache geht. Im Verlauf mancher Monate lernen beide voneinander und ihre jeweiligen Vorurteile und Klischees nehmen ab. Sie trennen sich, schüren aber ihre Eifersucht gegenseitig durch neuerliche Inserate mit anderen Kontaktsuchenden, um ihre Liebe neu zu beleben und schließen letztendlich einen Waffenstillstand. Als LeserIn schlägt man sich bei dieser Verbalschlacht und Liebesrochade mal auf die eine oder andere Seite der Kombattanten. Was spielerisch und amüsant begann, wirkt gegen Ende doch gelegentlich bemüht konstruiert. Es gibt dann auch Brüche im Text, der Mann wird ein wenig zu überzogen sexualisiert (das hat er nicht verdient), und manche der allzu eingehend geschilderten Intimitäten möchte man nicht wirklich erfahren, wobei das "Stängelchen in der Vase" noch die geringste Vorstellungskraft erfordert.

Ein Lesevergnügen stellt dieser Roman jedoch allemal dar, wenn auch die Schlüpfrigkeit manchmal etwas ermüdet. Eine Fortsetzung ist angekündigt!

Gertraud Voss-Krueger, 20.03.2012
Ostfildern

LESEN: ELKE MASCHA BLANKENBURG - TASTENFIEBER UND LIEBESLUST
Veröffentlicht am 12. Januar 2012

Sie ist Musikerin, Dirigentin - und nun liegt sie auch in den Buchhandlungen. Besser gesagt: ihr Debütroman "Tastenfieber und Liebeslust". Die Autorin Elke Mascha Blankenburg (68) hat ihrer Liebesgeschichte, die im Gmeiner-Verlag erscheint, ein besonderes Format gegeben. Sie erfindet einen Briefwechsel in E-Mails.

Max, von adeliger Herkunft, aber fast bettelarm, antwortet auf die Kontaktanzeige der Musikerin Eva, die neu in Berlin ist. Beide haben die 60 überschritten, entfalten aber schnell den Sturm und Drang der ersten Liebe. Die Künstlerin schreckt nur immer wieder zurück, wenn Max in derbe Verbalerotik verfällt. Blankenburg rudert im Vergleich zu Charlotte Roche (Feuchtgebiete) zurück und füttert vor allem das Klischee vom Sex-besessenen Mann. Eva ist von der Wortwahl angewidert und bricht mit Max - zunächst einmal.

Gerade, als die Alltagsprobleme eintönig zu werden drohen, gelingt Blankenburg der Kniff. Eva testet seine Liebe und schickt ihm E-Mails im Namen einer anderen. So bekommt die Lovestory der U70-Fraktion neuen Schwung. Das Paar überwindet den feinsinnigen bis haarspaltenden Geschlechter-Konflikt.

Elke Mascha Blankenburg: Tastenfieber und Liebeslust. Meßkirch, 2011. 371 Seiten, 11,90 Euro. ISBN: 978-3-8392-1210-3. Autor: Volker Stephan

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Eine Liebesgeschichte in E-Mails

Eine Liebesgeschichte in E-Mails
Elke Mascha Blankenburg (rechts) wirkte zuletzt 2005/6 für die Komponistinnenbibliothek in Unna. Das Bild zeigt sie mit Ludmilla Dlugosch (damals Kulturbereich der Stadt) und Rebecca Grotjahn (ehemals wissenschaftliche Leitung).
Foto: Karl Dittrich


Die ehemalige künstlerische Leiterin der Komponistinnen-Bibliothek debütiert mit dem Roman „Tastenfieber und Liebeslust“. Mascha Blankenburg hat ihn in großen Teilen als elektronischen Briefwechsel verfasst, sie lässt E-Mails sprechen.

Sie half Unnas Komponistinnen-Bibliothek auf die Beine und kehrte 2006 als künstlerische Leiterin für einen Wettbewerb kurz ins Nicolaihaus zurück. Jetzt liegt sie in den Buchhandlungen. Besser gesagt: ihr Debütroman „Tastenfieber und Liebeslust“. Elke Mascha Blankenburg (68) hat ihrer Liebesgeschichte ein besonderes Format gegeben. Sie erfindet einen Briefwechsel in E-Mails.

Max, von adeliger Herkunft, aber fast bettelarm, antwortet auf die Kontaktanzeige der Musikerin Eva, die neu in Berlin ist. Beide haben die 60 überschritten, entfalten aber schnell den Sturm und Drang der ersten Liebe. Die Künstlerin schreckt nur immer wieder zurück, wenn Max in derbe Verbalerotik verfällt. Blankenburg rudert im Vergleich zu Charlotte Roche (Feuchtgebiete) zurück und füttert vor allem das Klischee vom Sex-besessenen Mann. Eva ist angewidert und bricht mit Max.

Gerade, als die Alltagsprobleme eintönig zu werden drohen, gelingt Blankenburg der Kniff. Eva testet seine Liebe und schickt ihm E-Mails im Namen einer anderen. So bekommt die Lovestory der U70-Fraktion neuen Schwung. Das Paar überwindet den feinsinnigen bis haarspaltenden Geschlechter-Konflikt.
Autor: Volker Stephan

Topfit und potent...

Wer zeigt mir Berlin? Neu in dieser Stadt und voller Aufbruchspläne, suche ich einen Partner (55-65 Jahre), der die Kunst und das Leben liebt, gerne reist, viel liest, großzügig denkt, Güte und Humor besitzt. Ich (62 Jahre alt, 163 cm, 60 kg): apart, dunkle Haare, blaue Augen, Musikerin und Autorin, geschieden, keine Kinder, selbstständig, erfolgreich, fröhlich und mutig. Zuschriften unter Chiffre.

Mit einem Inserat in der Zeitung fing alles an. Eva-Maria ist gerade frisch nach Berlin gezogen und sucht mit Hilfe der Anzeige einen Mann, der ihr die Stadt zeigt, und vielleicht auch noch anderes. Recht bald erreichen sie auch schon ein paar Zuschriften, doch nur auf eine geht sie sehr intensiv ein. Nämlich auf die von Maximilian Baron von Clausenthal. Doch nicht sein Titel hat es ihr angetan, sondern seine verschmitzte Art, in der er seine Email verfasste. Zwar wird schon in dieser deutlich, dass er eigentlich anders ist, als sie sich ihren Mann wünscht, aber da er sympathisch wirkt, gibt Eva ihm eine Chance. Es folgen viele weitere Emails, die mal ironisch, mal ernsthaft, mal einfach nur nett, aber auch mal aufbrausend sind. Schlussendlich treffen die beiden Mittsechziger sich dann aber doch. Denn auch wenn sie vollkommen verschieden sind, kann es doch trotzdem funken. Und das weiß man schließlich erst, wenn man es ausprobiert hat, denken beide. Auch in der Zeit, in der sie sich häufiger sehen, reißt der virtuelle Kontakt nicht ab, doch es kommt immer häufiger zu Reibereien und Streitigkeiten. Und schon bald überlegt Eva ernsthaft, ob sie wirklich die richtige Wahl getroffen hat.

Oft wird das Thema Liebe und Sex in etwas höherem Alter totgeschwiegen, am besten wird auch gar nicht darüber nachgedacht. Hier ist dies nun anders, hier sind beide Themen sehr präsent. Und warum auch nicht, schließlich hat jeder Mensch das Recht auf ein erfülltes Leben. Gleich welches Alter, so dass daran absolut nichts verwerfliches zu finden ist, wenn auch darüber gesprochen bzw. geschrieben wird.

Durch eine Kontaktanzeige lernen Eva und Max sich kennen und mit der Zeit auch lieben. Schnell wird deutlich, dass sie eine tiefe Zuneigung verbindet, auch wenn sie charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Auch ihre Interessen erreichen nicht immer einen gemeinsamen Nenner, so dass man schon davon ausgeht, dass diese Romanze nicht lange halten wird. Was schließlich soll man gemeinsam unternehmen, wenn dem einen nicht gefällt, was der andere gerne machen möchte. Doch in einem Punkt ergänzen sie sich vortrefflich, nämlich im Bett. Allerdings hat Eva, und auch der Leser, bald das Gefühl, dass es Max ausschließlich um diese Art des Zusammenseins geht. Gut, er hatte einige Jahre keine Freundin und erst durch Eva wieder gelernt, was es heißt, einer Frau körperlich nahe zu sein, doch dass er gleich so süchtig danach wird ist schon etwas seltsam. Zeitweise auch etwas nervtötend, denn penetrant reitet Max auf immer demselben Thema herum und akzeptiert nicht, wenn Eva ihn bittet, dies zu unterlassen. Am liebsten würde der Leser zu Eva gehen und sie einmal gehörig durchschütteln, dass sie diesem Hallodri den Laufpass gibt. Doch irgendetwas an ihm hat ihr Herz erweicht, so dass sie nicht von ihm los kommt.

Der Roman ist gänzlich in Emails formuliert, so dass man glaubt, fremde Post zu lesen. An sich eine nette Idee, denn auch wenn man bei Unternehmungen der beiden Liebenden nicht dabei ist, bekommt man durch die nachträglichen Reflektionen doch alles mit. Auch die Hintergründe der Personen, sowie ihr familiäres Umfeld werden beleuchtet, schließlich müssen Eva und Max sich auch erst kennenlernen, das setzt es fast voraus, dass sie von ihrer Vergangenheit erzählen. Somit ist auch der Leser gleich im Bilde und kann sich einen guten Überblick verschaffen. Im Grunde also gar keine so schlechte Form des Romans. Allerdings ist die Gefahr groß, dass sich Emails schnell zu ähnlich werden und immer wieder dasselbe besprochen wird. Wenn auch oft anders umschrieben, so wirken manche Wiederholungen ermüdend, sowohl für den Leser als auch für die Protagonisten.

Die Emails sind in verschiedenen Schriftarten verfasst, so dass man leichter auseinander halten kann, wer gerade schreibt. Hin und wieder ist dies leider missglückt, da plötzlich Eva und Max dieselbe Schriftart hatten. Auch die Abgrenzung zu Evas Freundin Regina fehlt, so dass man sich erst einmal orientieren muss.

Ein paar winzig kleine Abstriche sind also leider zu machen, doch im Großen und Ganzen konnte der Roman überzeugen. Am Schluss gibt es noch einen Vermerk, dass eine Fortsetzung folgen wird, worauf man gespannt warten darf.

Elke Mascha Blankenburg, Jahrgang 1943, war Chor- und Orchesterdirigentin in Köln. Sie wurde mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz „am Bande". Heute lebt sie als Publizistin in Berlin. „Tastenfieber und Liebeslust“ ist ihr erster Roman.

Christiane Demuth, 18. November.2011
Redakteurin

Bohème, Bohème: Weekend mit Berlin-Woman, 04.-06.11.2011

Veits Käsebrote in der Belle Etage, Foto: Berlin-Woman Berlin-Charlottenburg, -Neukölln, -Mitte, -Schöneberg

What a weekend! Wieder ist Berlin-Woman mit Cora Fritz unterwegs und erlebt Liebe 60+ im Salon Belle-Etage, "Nacht und Nebel" in Neukölln und einen Bilderkauf, Schönheit in Schöneberg und Dancen im Bassy Cowboyclub:

Aber alles hübsch der Reihe nach. Am Freitag wird Berlin-Woman von einem ausgewiesenen Hormonforscher zur Lesung der Berlin-Woman Mascha Blankenburg, der Patin von "Bees & Butterflies", begleitet. Und wir stellen fest: Wer glaubt, dass es mit Liebe, Begehren und Sex 60+ finito ist, der hat sich gewaltig geirrt. In ihrem neusten Roman "Tastenfieber und Liebeslust" spricht die bekannte Dirigentin, Autorin und Chanson-Interpretin Mascha Blankenburg (* 1943) Klartext.

Nicht nur in E-Mails geht es zwischen Eva-Maria und Maximilian ab, nein, sie stürzen sich in eine heiße Liebesaffäre. Beneidenswert, denn die beiden können es sich als Renter/innen leisten, zu jeder Tageszeit Liebe zu machen. Daneben kochen sie, debattieren über Musik, Literatur, Politik u.a. und fighten ein herrlich spannungsreiches Rollenspiel aus. Natürlich kracht es dann, denn Max, der gesetzte Baron, Arzt, Architekt und Erfinder versteht Eva, die avantgardistische, weltgereiste Autorin und Künstlerin nicht immer richtig. Er wird pornographisch und sie sauer. Trennung, Versöhnung. Eine überraschende Intrige rettet die Situation... Mascha Blankenburg bietet uns mit ihrer Lesung einen tollen Abend, auch ist das Salon-Ambiente in der "Belle Etage" am Lietzensee traumhaft. Dort kann Frau stilvoll feiern und übernachten, z.B. wenn sie sich doch noch zu einer 2. Heirat durchringen würde. Heute Abend aber bekommen wir erst mal vom charmanten Betreiber Veit Jost persönlich Käsebrote zubereitet. Merci, merci. [...]

Dr. Carola Muysers, 07. November 2011

Wann erscheint die Fortsetzung???

Packend und mit unglaublicher Spannung geschrieben - hochgeistige Gespräche mit Witz! Die Idee, einen Roman oder eine Geschichte in email Form zu schreiben ist nicht neu, aber Mascha Blankenburg hat den "plot" so fließend und geistreich aufgebaut, daß man nur begeistert sein kann. Als ich das Buch fertig gelesen hatte, war ich traurig, da Eva-Maria und Maximilian mir fehlten! Sie gehörten zu meinem Alltag und das verdanke ich der ausgezeichneten Autorin. Man lebt regelrecht mit, ergreift Partei mal für Eva, mal für ihn. Die Leserschaft wird gespalten, man erwartet ständig, daß die Beziehung explosiv auseinander geht - und dann der geniale Schluß!
Ich hoffe nur, daß wirklich eine Fortsetzung folgt! Dieses Werk MUß man lesen!

Herzlichst
Gwen Page, 17. Oktober 2011

Machosprüche unerwünscht

Es knistert und flammt zwischen Maximilian und Eva-Maria in einer Intensität, dass man sich nur eines wünscht: könnte mir das doch auch passieren!

Der erste Pluspunkt für diesen E-Mail-Roman: die Protagonisten sind keine Jugendlichen, Studenten oder ein frisch verheiratetes Ehepaar in den Dreissigern, sondern recht betagte Liebende, Mitte sechzig!
In diesem Alter ist meist Viagra angesagt, aber Maximilian entpuppt sich auch ohne dieses Hilfsmittel als sexbesessener Bettkönig. „Es wuselt schon wieder in meiner Hose" kann man auf x Seiten lesen.
Für ihn ist eine erfüllte Sexualität, die er in der Begegnung mit Eva-Maria erlebt neu und überwältigend. "Ich habe 20 Jahre nicht mehr mit einer Frau geschlafen.
Früher hatte ich doch nur die "Black & Decker Methode" drauf.“, schreibt er ihr.
Aber die Offenheit, mit der Eva-Maria ihm ihre Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit schildert verunsichert ihn, und er beginnt, nach anfänglicher Bewunderung für die Künstlerin und Frau, sie als Sexobjekt zu degradieren. Das zeigt sich in seinen Mails, die sich zunehmend in trivialen Sexanspielungen äußern.

Die Autorin hat das Genre des E-Mail-Romans gewählt. Ich habe überlegt, warum?
Es kann nur den Grund haben: direkt und unverblümt eine Entwicklung aufzuzeigen, die die Entlarvung des redlichen, ehrenwerten Maximilian Baron von Clausenthal zum Ziel hat.

Seine Belehrungen über Fairness, Rücksichtnahme, Feingefühl verabreicht er selbstherrlich. Wenn dann Eva-Maria ihre eigene, kritische, kampfeslustige und ebenso renitente (anstrengend!) Denkweise entgegensetzt, verliert er seine Contenance und schreibt: "Werde endlich eine normale Frau und mach die Beine breit, wenn ich Dich verliebt und gierig ansehe."
Das Gleichgewicht zwischen den Beiden stimmt vorne und hinten nicht. Eva-Maria hat eine erfolgreiche Karriere hinter sich, Maximilian fehlt jede Art von Ausdauer, er wechselt die Berufe nach Lust und Laune, vom Arzt zum Architekten, dann zum Erfinder, wo er dann endgültig scheitert und nun in armseligen Verhältnissen leben muss. Aber es scheint auch genau das zu sein, was Eva-Maria anzieht: seine Lebensfreude, sein Charme und sein Optimismus - trotz seiner traurigen Lebenssituation.
Ja, da kommt auch Mitleid für ihn auf, denn die Autorin zeigt ihn als klugen, gebildeten Mann voller Esprit und Wortgewandtheit, als "Homme de lettres".
Seine anfänglichen Mails - die Beiden lernen sich durch eine Kontaktanzeige im Berliner Tagesspiegel kennen - begeistern Eva-Maria, sie ist schon verliebt hat, bevor es zum ersten Treffen kommt. Es macht großen Spaß diese Mails zu lesen!

Sie re-agiert mit ähnlicher Verschmitztheit und Leichtigkeit. Aber ihr Naturell ist wesentlich ernsthafter. Das zeigt sich im Verlauf nicht nur in ihren Nachfragen über Beziehung, Sprache und im Anspruch an Offenheit, sondern ebenso in ihren poetischen Schilderungen über ihre Großmutter oder in ihrem Zeitungsbeitrag über die "Ausgestoßene Hunde in Apulien" (Da stiegen mir die Tränen in die Augen, auch wenn ich ein Mann bin!)
Hingegen sind die Liebesschwüre des Barons, "Ich werde keine Frau mehr nach Dir ansehen!" nicht mehr als triviale Sprüche, denn nach einem massiven Krach gibt er flugs eine Kontaktanzeige auf.
Dennoch: nach jedem Bruch, der zu einer Trennung führt, hoffte ich inständig auf eine Versöhnung. Warum nur? Wohl weil das, was Beide verbindet, hinter ihren Worten liegt, die sie so leichtfertig durch den Äther schicken.

Die Stärke dieses Romans liegt in der psychologischen Diagnostik zum Thema Mann-Frau und ist vor allem ein weiterer Tabubruch zum Thema "Sexualität im Alter", denn wilder kann man es wohl auch mit 20 nicht treiben! Das Buch öffnet den Blick auf einen ehrlichen Umgang zwischen Liebenden im Alter.
Sehr überzeugend und mitreißend geschrieben.
Ganz zum Schluss steht: Fortsetzung folgt. Das hat mich sehr erfreut, ich bin sehr gespannt auf den weiteren Umgang der Beiden

Froschkönig, 2. Oktober 2011
Köln

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen! Total spannend, und manchmal konnte ich gar nicht glauben, was ich da las!

Eva-Maria, eine Künstlerin und gesellschaftskritische Frau, 64 Jahre alt, trifft durch eine Kontaktanzeige auf den gleichaltrigen Maximilian, einen witzigen, teils auch skurrilen, konservativen Adligen, der sogar Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung ist.
So unterschiedlich die beiden auch sein mögen: es entsteht eine leidenschaftliche Liebe, wie man sie in dieser Intensität eigentlich nur von Jugendlichen kennt. Wie man weiß, liegen Menschen dieses Alters um 22 Uhr mit geputzter Prothese im Bett, lesen noch eine Seite im aktuellen Buch und knipsen dann die Nachttischlampe aus. Eva-Maria und Maximilian aber machen oft die Nacht zum Tag und können nicht voneinander lassen. Oft feiern sie ihre Liebe bis zum Sonnenaufgang, und Max meint dazu: "Ich lasse mir lieber in einem unregelmäßigen Leben den Schlaf rauben als das Leben bei geregeltem Schlaf."
Am Tag setzen sie ihre Bezogenheit mit gleicher Intensität fort, mailen im Minutentakt und tragen ihre unterschiedlichen Meinungen mit scharfem Florett aus. Und dabei knallt es nicht selten, da beide oft so kurzsichtig und übereilt aneinander vorbeireden. Immer wieder kommt es zu Trennungen und dann wieder zu glutvollen Versöhnungen. Aber auch das ist spannend, es ist Leben pur, und es wird nichts unter den Teppich gekehrt oder einer erwünschten Harmonie wegen schöngeredet. Ob es nicht gerade auch deshalb zu dieser fulminanten Erotik zwischen den Beiden kommt?

Aber da gibt es noch wesentlich mehr als Erotik und Liebeslust:
Der Leser wird mitgenommen in die verschiedenen Ansichten zur Lebensführung, Politik, zur 68er Zeit, zu Philosophie, Liebe und Kunst. Er nimmt Partei für den einen und verwirft sie wieder beim Lesen der nächsten Mail zu Gunsten des anderen. Er steigt ein in psychologische Verstrickungen, in beider Kampf um Selbstbehauptung und penetrante Verbalerotik (die nervige Seite des Maximilians, die abstoßend ist) der Protagonisten.
Man kann viel durch dieses Buch lernen: u.a. was man in einer Liebesbeziehung tun soll, und was man besser lassen sollte. Es macht Mut, sich vor einer leidenschaftlicher Liebe nicht zu fürchten' und dies nicht nur für die Älteren unter uns. Bewundernswert ist die Fähigkeit der Autorin Elke Mascha Blankenburg, sich überzeugend sprachlich wie gedanklich in eine männliche Psyche hineinzuversetzen, wie ihr Vermögen, über 371 Seiten Hochspannung zu entfalten.

San Faustino, 1. Oktober 2011

Esprit und Sprachtalent

Hier ist ein Buch, das aus der Reihe fällt, schon weil es keine Handlung von der gewohnten Art hat. Erste Frage an den Rezensenten; Sollte man das lesen? Ja, unbedingt. Schon weil die Autorin witzig und tiefgründig schreiben kann, und ein Liebesleben immer fasziniert, wenn es mit Niveau betrieben und vorgeführt wird.
Es ist die uralte Begegnung der Geschlechter, aber keine uralte Story, weil hier Frau und Mann eine besondere Art der Annäherung üben, zwischen Innigkeit und, später, bis zum Kampf, ohne vom endlich glücklichen Schluss hier viel zu verraten. Und weil sie beide in fort-geschrittenem Alter sind, das weder vor Torheit noch vor Liebe schützt.

Die beiden offenbaren und entwickeln sich in der Form von E-mails, die man lesen, mitlesen kann, mitunter fast unerträglich intim. Dass ER nun auf ihre Kontaktanzeige antwortet, und sich die beiden rasch und heftig sexuell und weit darüber hinaus finden, sorgt für den Einstieg in eine Liebe, die Mail für Mail ausgelotet, dann auch hinterfragt, widerrufen, abgebrochen, in neuer Leidenschaft wieder angeknüpft wird.
Das gerät so, dass man teilnahmsvoll mitliest, aber auch gequält, zumal keine äußeren Umstände zu überwinden sind, keine Probleme von außen zu lösen. Es sind nur die beiden, mit denen wir es (und auch die beiden) zu tun haben - sie die Künstlerin Eva-Maria, die ihm auch einmal schreibt, das sei sie nun mal, und sie habe ein großes Bedürfnis, wieder ihr eigenes Leben zu führen, und zur Gattin sei sie nicht geboren.

Maximilian hingegen ist bei allem ironischen Witz ein unglaublicher Spießer, stolz als Baron auf seine adelige Herkunft; sogar Mitglied einer schlagenden Verbindung, ein manirierter Ästhet mit fragwürdigem Geschmack, aber mit Kochkünsten versehen - und worin besteht dann wohl der Grund der Beziehung? Man errät es, im Bett.
Davon macht der Baron auch viel Wesens, mailt dauernd davon und (hat offenbar Viagra pfundweise geschluckt), verletzt sie damit verbal, beleidigt gar, und wird vor allem langweilig.
Denn mit Liebe hat SIE zwar alles, mit Pornographie jedoch nichts zu tun. Übrigens auch nichts mit seiner beständigen und durchweg falschen Berufung auf die 68er, wie es überhaupt von Imponiergesten wimmelt, wenn er von sich berichtet. Gleichwohl ist sie ihm, ja, man muss sagen verfallen, denn vieles gibt er ihr, wonach sie verlangt, wenn auch das Wichtigste nicht, das Verständnis für ihre künstlerische Intelligenz und Leistung.
Wie die Japaner kunstvoll Bäume beschneiden und Bonsai daraus machen, verzärtelt er sie und macht "Evachen" aus ihr, wogegen sie allerdings aufbegehrt, weil sie doch nicht nur Lustobjekt sein kann.
Wenn das dem Leser bekannt vorkommt, ja, so gibt es das und noch mehr davon im wirklichen Leben, und darum ist dieser Roman bei aller Individualität exemplarisch.
Beide rätseln oft ratlos hinter ihrer Liebe her, die sie in den Mails wieder zerreden, doch Eva-Maria geht und kommt zurück und gerät endlich in ein vertracktes Vexierspiel, als beide wieder Kontaktanzeigen aufgeben, Antworten erhalten, Antworten geben und an den anderen jeweils weiterreichen (übrigens glaubhaft und hübsch erfundene Nebenfiguren), wobei sie unter anderem mit falschen Namen sich selbst bemailen. Das wäre schon reizender Stoff für eine Hollywoodkomödie älteren Stils.

Im Urteil über die beiden kann man nicht anders, als Gefallen an dieser auch widerspruchsvollen Eva zu finden, wenn auch nicht an "Evachen", denn sie ist eine sehr weit entwickelte und lebendige Frau. Der affektierte Maximilian hat hingegen viel von einem Hochstapler an sich, ist selbstgefällig, eitel, egozentrisch, kurz, man möchte im wirklichen Leben wohl nichts mit ihm zu tun haben.
Doch Eva, deren Bild von Männern vielleicht auch einige Sprünge hat, will es doch, und so kommt es zu einem Happyend, das aber - nicht zu früh gefreut oder bemitleidet! - möglicherweise nicht hält.
Denn die Autorin, die gescheite Elke Mascha Blankenburg, schreibt zum Schluss hin: "Fortsetzung folgt". Es muss für uns aber keine Fortsetzung geben. Denn wir haben mit diesem Mailroman tiefe, teils unerhörte Einblicke in das nach Liebe hungrige Seelenleben von Mann und Frau nehmen dürfen, wobei sich der Spaß an diesem Text, entgegen aller ironisch gewürzten Sprache und auch dem Klappentext, in Grenzen hält. Eine Tragödie ist es aber auch wieder nicht und wäre dann kaum zu ertragen.
Vielmehr geht die Geschichte am Rand von Abgründen entlang, aus denen vieler Menschen Leben besteht. So ist "Tastenfieber und Liebeslust (Autoren hören das vielleicht nicht gern) ein Lehrstück geworden - oder so doch zu gebrauchen.
Hans Kirchmann, 28. September 2011
(Autor)

deutsche-krimi-autoren.de

Pianistin Eva-Maria, Anfang 60, ist neu in Berlin. Sie gibt eine Kontaktanzeige auf, um doch noch die Liebe ihres Lebens zu finden. Ihre Wahl fällt auf Maximilian, dessen ironischer Schreibstil sie sofort in den Bann zieht, obwohl beide nicht unterschiedlicher sein könnten: Sie Künstlerin und geprägt durch die wilden 60er-Jahre. Er ein Adliger alter Schule, fantasievoll gescheitert auf allen Ebenen. Vielleicht könnte es dennoch die perfekte Beziehung werden? Aber dann entbrennt per E-Mail ein Geschlechterrollenkampf, von dem Eva-Maria dachte, dass sie ihn schon längst siegreich hinter sich gelassen hätte.
Anmerkung:
Rezept für E-Mail-Roman: zwei starke Charaktere, ausgestattet mit Charme, Flair, Skurrilität, Starrsinn auf der Suche nach Unternehmungen, Stadt erkunden, Partnerschaft und Erotik. Alles in der Landeshauptstadt Berlin spielen lassen und einen Hund einbinden der in schwierigen Situationen die Verbindung hält.
Dies ist Autorin Elke Mascha Blankenburg mit Ihrem Roman "Liebe in Berlin" gelungen. Ihre Hauptprotagonisten >Eva-Maria und Maximilian< erleben alle Höhen und Tiefen einer späten Liebe, der es aber weder an Temperament noch an Spontaneität mangelt. Es vermischen sich heiße erotische Nächte mit Kunst, Kultur, Musik und Literatur. Die nachgezeichneten Charaktere können nicht unterschiedlicher sein. Während Eva-Maria die feine Lebensart liebt, viel Zeit in ihre Arbeit als Künstlerin investiert und Ischia liebt, ist Maximilian ein Überlebenskünstler, der nicht immer über Geld verfügt, eine ungemütliche, ungeputzte Wohnung besitzt, dafür aber sehr witzig und spritzig ist. Sie geraten immer wieder an ihre Grenzen, kleine Äußerungen führen zum großen Streit, doch da ist Claudio, ein Hund und er hält auf seine Weise die Verbindung.
So sollte Liebe im reifen Alter sein. Ausgezeichnet geschrieben!

Caren Löwner, 22.09.2011

Logo von booksblog.ch Ich mag E-Mail-Romane...

Ist doch herrlich, wenn man straffrei in privater Post schnüffeln kann... das hat mir schon bei Daniel Glattauer so gut gefallen. In "Tastenfieber und Liebeslust" sind die Helden deutlich älter, die emails ganz anders, aber nicht minder ironisch, traurig oder witzig und natürlich geht es um Liebe...
Tja, wie soll man das Genre dieses E-Mail-Romanes einordnen... Chick-Lit für 68er? Silver-Lit? Also defintiv nichts für shoppingsüchtige 20jährige, die sich schon bei der Vorstellung ekeln, dass über 50jährige sich küssen, geschweige denn Sex haben - den gibt es in diesem Buch auch. Zumindest merkt man, dass er stattfindet. Ich denke, die eigenen Kinder sollten schon aus dem Haus sein - dann hat man hier 370 Seiten intelligenten Lesespass im Taschenbuchformat!

Und darum geht's:
Viele Menschen versuchen heute ihren Partner im Internet zu finden. Auch die Generation 50 plus ist da sehr aktiv. So wie Hauptprotagonistin Eva-Maria. Die 63jährige Neuberlinerin entschließt sich, eine Kontaktanzeige aufzugeben, um doch noch die Liebe ihres Lebens zu finden. Maximilian, Mitte 60, ein konservativer und versponnener Adliger alter Schule, studierter Mediziner, Architekt und verkannter Erfinder eines essbaren Eimers für Tierfutter, zieht mit seinem ironischen Schreibstil ihre Aufmerksamkeit auf sich. Gegensätze ziehen sich eben oft an, denn Pianistin Eva-Maria ist durch und durch eine Künstlernatur, finanziell unabhängig, erfahren, unkonventionell und emanzipiert.
Gemeinsam haben sie die Sprachgewandtheit und so führen sie mit scharfem Florett Rede und Gegenrede, drücken manchmal im Minutentakt die Sendetaste ihres E-Mail-Programms (Da wäre chatten wohl praktischer, aber dann gäbe es ja nicht diesen netten Roman), nähern sich erst zurückhaltend und humorvoll einander an, um dann zügig in eine erotisierende Ungeduld überzugehen. Beide genießen die Leichtigkeit des Seins. Es könnte die perfekte Beziehung sein, doch nach und nach prallen die unterschiedlichen Lebensentwürfe aufeinander und drohen in unüberbrückbaren Gegensätzen zu versinken. Und dann entbrennt per E-Mail ein Geschlechterrollenkampf, von dem Eva-Maria dachte, dass sie ihn schon längst siegreich hinter sich gelassen hätte und bei dem sich die Frage stellt: Gibt es ein Happy End für die beiden?
Elke Mascha Blankenburg, Jahrgang 1943, war Chor- und Orchesterdirigentin in Köln. Sie war mehrfache Preisträgerin nationaler und internationaler Wettbewerbe. Heute lebt sie in Berlin. Mit "Tastenfieber und Liebeslust" gibt sie ihr Debüt als Romanautorin - ob sie mit ihrer Hauptdarstellerin mehr als nur die Initialen teilt?

Petra Bohm, 04.08.2011

Gegensätze ziehen sich an

Künstler sind einfach anders als andere Menschen. Eine Liebe zu einem nicht künstlerisch veranlagten Mensch ist ihnen unmöglich. Oder?
Die Pianistin Eva-Maria ist über 60 und durch die Frauenbewegung geprägt. Um ihre neue Heimatstadt Berlin besser kennen zu lernen und dabei auch noch einen Partner zu finden, gibt sie eine Kontaktanzeige auf. So lernt sie den 64jährigen Maximilian kennen, der so schön ironische Briefe schreibt.
Allerdings passen die beiden eigentlich überhaupt nicht zusammen, denn Maximilian ist ein konservativer Adliger. Trotzdem entwickelt sich etwas zwischen den beiden, die einen regen und anregenden Mailverkehr und einen ebenso regen persönlichen Verkehr pflegen. Das geht eine Weile gut, bis die Geschlechterkonflikte entbrennen. Haben die Freundschaft und die Liebe der beiden eine Chance? Können solch extreme Gegensätze überbrückt werden? Das Buch besteht aus den E-Mails, die Eva-Maria und Maximilian sich schreiben, und liest sich daher sehr abwechslungsreich und flüssig. Ironisch, traurig, witzig und klug sind diese Mails, alle Höhen und Tiefen der Beziehung lassen sich aus ihrem Tonfall herauslesen.
Dabei hätte ich Eva-Maria manchmal schütteln können, die sich mit ihren Ideologien oft selbst im Weg steht. Und auch Maximilian hätte ich manchmal schütteln können, wegen seiner typisch männlichen Unfähigkeit, über Gefühle zu reden.
Trotzdem waren mir beide sympathisch, mal eher die eine, mal eher der andere, und ich habe ihre Liebesgeschichte förmlich verschlungen, obwohl Liebesromane normalerweise nicht mein Genre sind.
Das Ende ist gleichzeitig ein Anfang und macht gespannt auf die Fortsetzung dieser unterhaltsamen Lektüre.
Gospelsinger, 20. Juli 2011
Berlin

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